CCR in Concert

Hey tonight: John Fogerty rockte in Erfurt

Thüringer Allgemeine 5. Mai 2008

Kaum zu glauben, wie viele Hits in zwei kurze Stunden passen. John Fogerty handelte gestern in der Erfurter Messehalle nach dem Prinzip "Give the people what they want" und spielte mit seiner 6-Mann-Band alle Songs, die das Fan-Herz begehrte.
ERFURT. "Born on the Bayou" und "Bad Moon Rising" zum Auftakt, "Rockin´ all over the world" und der alte Raddampfer "Proud Mary" als Zugaben: Bei so viel Altbewährtem nahm das Publikum ein paar neue Songs gern in Kauf, zumal sie kaum anders klingen als die immergrünen Lieder von den "Cotton Fields back home". John Fogerty, auch diesmal im blauweißen Holzfällerhemd, hielt sich kaum mit Ansagen auf und gönnte sich nur wenige seiner virtuosen Gitarren- und Mundharmonika-Soli. In fliegendem Gitarrenwechsel ließ er Hit auf Hit folgen, fast alles klang wie zu CCR-Zeiten - vielleicht auch deshalb, weil Fogerty seine Songs wegen eines Knebel-Plattenvertrags mehr als 30 Jahre lang kaum öffentlich gespielt hat. Die Zuhörer in der gut gefüllten, wenn auch nicht ausverkauften Messehalle begrüßten jeden Song mit Jubel. Selbst die Schreihälse hinten links im Saal, die lautstark nach "Hey tonight" verlangten, konnten sich beruhigen: Natürlich kam auch ihr Lieblingsstück vor - in zeitlos gediegener Fogerty-Fassung.
von Frauke ADRIANS



Bericht von unserem Mitglied Kai Dressler



Big wheels keep on turning

Wie das immer so ist mit den Ticketpreisen, aber im Anbetracht der gesamten Preissteigerzungen auf allen Konsumgebieten, nicht verwunderlich das Konzertkarten langsam aber sicher astronomische Beträge erreichen. John Fogerty ist da keine Ausnahme gewesen aber für ca. 43 Euro Mindestpreis für ein Ticket vielleicht noch erträglicher als eine Eric Clapton oder gar die Stones. Dann die erste Überraschung beim Ticketkauf. „Wir haben NUR Sitzplätze, wahrscheinlich denken die Veranstalter, dass die Fans auch Älter werden.“, so die Dame in der Geschäftsstelle der Thüringer Zeitungen. Mmh, Was soll man da machen. Ich habe allerdings den Verdacht, das es für die Promoter einfacher ist, noch mehr Preiskategorien und –staffelungen durch verschiedene Sitzplatzqualitäten zu pushen. Ungeachtet dessen war die Entscheidung Mr.-CCR zu besuchen richtig. Zählt er sich doch selbst zu einem der besten Songwriter des 20. Jahrhunderts. So steht es zumindest in seinem Tourprogramm (20 Euro), dass die Qualität anderer Tourprogramme leider nicht ganz erreicht. By the way, Die horenten Merchandising-Preise welche ich seit einigen Jahren kritische beobachte sind auch bei Fogerty keine Ausnahme. Ich frage mich jedes mal, warum es sich die Firmen es bieten lassen, dass vor der Halle nach dem Konzert, wenn der Kaufansturm den Höhepunkt erreicht, die gleichen Produkte von fliegenden Händlern zu Preisen die etwa einem Drittel der offiziellen Preisen entsprechen angepriesen werden dürfen. Verstärkt wird das ganzen durch die nette Ansage vor Konzertbeginn vom Kauf dieser Produkte abzusehen, da dies nur zum Schaden von John Fogerty wäre – m.E. (un-)bewusste Werbung. Vielleicht regelt der Preis doch die Nachfrage?
Zum Konzert: Nun ja, zu den einzelnen Titeln muss nicht viel gesagt werden. Sie sind Geschichte! Und sie bleiben Geschichte. Genauso wie Fogerty selbst. Stimmlich, mental und körperlich in Hochform brennt er eine REVIVAL Show ab, die zum feinsten zählt was mir die Messehalle Erfurt bisher bieten konnte. Das gilt natürlich auch für seine Besetzung.



JOHN FOGERTY: VOCALS, GUITAR
KENNY ARONOFFU: DRUMS
BILLY BURNETTE: VOCALS, GUITAR
MATT NOLEN: VOCALS, GUITAR
HUNTER PERRIN: VOCALS, GUITAR
DAVID SANTOS: VOCALS, BASS
JASON MOWERY: VOCALS, FIDDLE



Letzterer war es, der den Klassiker „Lookin out my backdoor“ mit einem Geigensolo völlig verzaubert hat. Der Titel ist im original ja schon perfekt, aber was dieser jungen Mensch aus den Seiten gestrichen hat ist mehr als bemerkenswert. Dies setzte er auch beim Titel Blue rich mountain fort, als er sich gegen John ein Solo-Duell lieferte, Fiddle vs. Guitar, nicht gerade alltäglich, aber abwechslungsreich. Eben feiner Country-Rock.
Sonstige Solos waren dünn gesät. Die Hits Plattengetreu kurz gehalten und die langen Stücke „Born on the Bayou“ und „Ramble Tamble“ ebenso Plattengetreu lang. Keine Extras, keine Schnörkel, keine Verfremdungen: einfach Creedence!
Zum Abschluss musste noch die unvermeidliche „Proud Mary“ abdampfen. Einer der wenigen CCR Titel die mir nicht so gut gefallen, zumindest nicht in der CCR Version. Wirkt sehr gedehnt und verlangsamt für das Potential, welches eigentlich in der Melodie steckt. Allerdings lieferte Fogerty an diesem Abend eine Up-Tempo Version ab, die es durchaus mit Elvis’ live Performance vom Madison Square Garden 1972 aufnehmen konnte. Jetzt rollte da wirklich etwas.

Big wheels keep on turning, Proud Mary keep on burning! Rollin’, rollin’ … und so klingt er auch. 63 Jahre jung, handwerklich topfit und hat sichtlich Spaß daran seine Songs zu spielen. Songs die alle gleich klingen und doch nicht die selben sind. Songs die Geschichte sind und gute Laune. CCR klingt eben wie ein rollender Zug und wer sich einmal der Versuchung hingibt während einer Zugfahrt Creedence-Titel über Kopfhörer zu hören wird sich dann dieser Meinung anschließen können...



Setlist:

1. BORN ON THE BAYOU
2. BAD MOON RISING
3. GREEN RIVER
4. LONGSHOT
5. WHO’LL STOP THE RAIN?
6. LOOKING OUT MY BACKDOOR
7. RAMBUNCTIOUS BOY
8. DON’T YOU WISH IT WAS TRUE
9. IT AIN’T RIGHT
10. MIDNIGHT SPECIAL
11. COTTON FIELDS
12. MY TOOT TOOT
13. RAMBLE TAMBLE
14. BROKEN DOWN COWBOY
15. KEEP ON CHOOGLIN’
16. HAVE YOU EVER SEEN THE RAIN?
17. THE NIGHT TIME (IS THE RIGHT TIME)
18. COMIN’ DOWN THE ROAD
19. BLUE RICH MOUNTAIN
20. LONG DARK NIGHT / I CAN’T TAKE IT NO MORE
21. DOWN ON THE CORNER
22. GOD GOLLY MISS MOLLY
23. HEY TONIGHT
24. THE OLD MAN DOWN THE ROAD
25. FORTUNATE SON



ENCORES.

26. ROCKIN’ ALL OVER THE WORLD
27. PROUD MARY



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