Fleetwood Mac

Frank Freyboth berichtet:



FLEETWOOD MAC UND ICH IM WANDEL DER ZEITEN

Manchmal gibt es im Leben immer noch Überraschungen. Jedes Mal, wenn der Sender 3Sat wieder einen 24-Stunden-Tag mit Pop around the clock einlegt, verzweifle ich fast immer über die geringe Anzahl der Beiträge, die mich interessieren könnten. Am 01. Mai dieses Jahres war es mal wieder soweit, und ich staunte nicht schlecht, waren doch mit Paul Rodgers + Queen, Steve Winwood mit Eric Clapton, Fleetwood Mac und Stevie Nicks Konzerte im Sendeplan, die was für meinen DVD-Recorder waren.




 

Nun gut, die erst genannten zählen ja zum Kult, Fleetwood Mac und Stevie Nicks eher nicht, da nach dem Weggang von Peter Green und der damit verbundenen Abwendung vom Blues die Band eigentlich für mich gestorben war.

Der Namensgeber und Drummer der Band Mick Fleetwood (* 24. Juni 1942) und schon erwähnter Peter Green (* 29. Oktober 1946) gründeten im Juli 1967 die dem reinen Blues verschriebene Band. Beide gingen zuvor durch die Schule von John Mayall. Peter Green war bei den Bluesbreakers der Nachfolger von Eric Clapton. John McVie (* 26. November 1945) und Jeremy Spencer (* 04. Juli 1948) vervollständigten das Quartett. 1969 kam noch der damals erst 18-Jährige Gitarrist David Kirwan dazu. Eine Reihe erstklassiger Songs wurden geschaffen.
Die erste Single hieß im November I Believe My Time Ain't Long, der im März 1968 das Album Fleetwood Mac folgte, das im Sog des britischen Blues-Booms auf Rang vier der Charts rangierte. Die Band mischte geschickt Klassiker von Robert Johnson und Howlin' Wolf mit eigenem, sehr traditionellen Bluessongs
Zum ersten Mal konnte man etwas von einer Black Magic Woman hören, der Titel wurde als Single produziert und erschien dann 1968 noch einmal auf der Compilation English Rose.
Mit Stop Messin’ Round, Dr. Brown und dem Jig Saw Puzzle Blues waren noch weitere Knaller auf der Platte.
Der Black Magic Woman war jedoch erst durch die Aufnahme von Santana auf dessen Abraxas der gebührende Erfolg beschieden, drei Jahre musste die Frau auf ihre Anerkennung warten.
Green bestimmte mit seinem einfühlsamen Gitarrenstil den musikalischen Kurs der Band, die nacheinander den Schmachtfetzen Need Your Love So Bad (GB 31), die LP Mr. Wonderful (GB 10), das romantische Gitarren-Instrumental Albatross (GB 1, D 19) und die Zeitlupen-Ballade
Man Of The World (GB 2) in den Hitparaden platzierte.
Im Oktober 1969 erschien die Platte, die mir als Einsteiger in die Musik von Fleetwood Mac diente, und warum wohl ? Hier ist der Titel enthalten, der Fleetwood Mac unsterblich machte, Oh! Well in der Long Version, satte 8:56 min. Das Album offenbarte eine gewisse Distanz zum Blues,
THEN PLAY ON wirkt ungemein komplex und homogen. Ein weiteres sehr gutes Beispiel für den neuen Trend ist der Titel My Dream. Im Jahr 1969 verkauften Fleetwood Mac mehr Platten als die Beatles oder die Rolling Stones.
Peter Greens Einfluss begann zu schwinden und am 11.4.1970 erklärte er in München während einer Europa-Tournee seinen Ausstieg bei Fleetwood Mac. Gerüchten zufolge hatte er sich bei Uschi Obermaier und Rainer Langhans einquartiert und dabei eine zu hohe Dosis LSD eingenommen, die seine Psyche für immer verändert haben soll („Ich machte einen Ausflug und kam nie mehr zurück“). Klar, es gab schon vorher Spannungen in der Band, die wohl eher als Argument für die Trennung in Frage kommen. Greens Ansichten darüber, wie man z.B mit den Tantiemen umgehen sollte, entzweite die Band. Peter Green wollte seine Einkünfte wohltätigen Zwecken spenden,
klingt nobel aber auch ein wenig bescheuert.
Im Juni 1970 verabschiedeten sich Fleetwood Mac mit dem kraftvollen Rock The Green Manalishi (GB 10, D 16) vorübergehend aus den britischen Charts, noch so ein absolutes Glanzstück des Rock.

Nach dem Weggang von Peter Green 1970 änderte sich der Musikstil der Band allmählich vom Blues hin zur Mainstream-Rock und Popmusik, und das ist nun mal nicht mein Ding. Für mich gab es die Band nicht mehr.
Etliche Personalwechsel bestimmten das Dasein, insgesamt hatte Fleetwood Mac 16 Mitglieder,
nur zwei der alten Garde blieben ständig dabei, der Chef Mick Fleetwood selbst und John McVie. Der brachte seine Gattin Christine mit, die früher die Sängerin und das Piano von Chicken Shack war. Bekannt wurde sie hier als Christine Perfect (* 12. Juli 1943). Bob Welch ersetzte Peter Green. Welch ging, und es kam Lindsey Buckingham (* 03. Oktober 1949). Der brachte dann noch seine Freundin Stevie Nicks (* 26. Mai 1948) mit, und eines der erfolgreichsten Quintette der Popmusik hatte sich gefunden.



v.l.n.r John McVie, Mick Fleetwood, Stevie Nicks, Christine McVie, Lindsey Buckingham


Einen derart rapiden Wechsel des Musikstils erlebt man bei Bands aus der Zeit der Sechziger wohl selten, erinnern wir uns z.B. an Jethro Tull, Pink Floyd, Deep Purple u.s.w.u.s.f.
Die Zeit war reif für eine Rockband mit zwei Sängerinnen (John McVie) und in der Tat zahlte sich die Devise abwechslungsreich, für jeden etwas bietend mit der nach der Gruppe benannten LP aus. Sie kletterte in den USA auf Platz eins, hielt sich 122 Wochen in den Charts und beinhaltete gleich drei propere Top-Hits: Over My Head (US 20), Rhiannon (US 10) und Say You Love Me (US 11).
In der englischen Heimat fielen die Reaktionen auf diese Pop-Perlen eher bescheiden aus. Die Fans dort, so wie ich auch, verloren das Vertrauen und wandten sich ab. Die Fleetwood Mac-Fans konnten sich offenbar mit der völligen Abkehr vom Blues noch nicht anfreunden.
1975 erschien das Album Fleetwood Mac, das sich sehr gut verkaufte. 1977 folgte Rumours, das mit allein in den USA mehr als 19 Millionen verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten Alben der Musikgeschichte ist. Rumours gilt unter Fans als das „Krisen-Album“ der Band, da es während der Entstehung unter anderem zum Bruch zwischen John McVie und seiner Frau auf der einen Seite kam, und Stevie Nicks ihrem damaligen Freund Lindsey Buckingham den Laufpass gab, einem Gerücht zufolge zugunsten von Mick Fleetwood, wie dieser in verschiedenen Interviews bestätigt hat. Natürlich kam es dann auch zur Scheidung von Mick Fleetwood mit seiner Frau Jenny.
Es rumorte im wahrsten Sinne bei Fleetwood Mac.
Das bedeutete, wie Stevie Nicks später darlegte, dass Leute, die normalerweise keine Rolle im Leben der Anderen spielten, viele Stunden und schwere Zeiten zusammen erlebten. Christine McVie merkte später an, dass sie jeweils gegenseitig über sich schrieben, daher auch der Titel des Albums. Sie bemerkten es nicht sofort, aber als sie letztendlich erkannten, dass sie ein solch bemerkenswertes Album zusammen geschaffen hatten, gab ihnen dies den Auftrieb, den sie brauchten, um ihrer Misere zu entkommen.
Nicks hielt das von Buckingham geschriebene Stück Go Your Own Way für eine düstere Anspielung auf die vorauszusehende Trennung dieser Besetzung und sie und Buckingham diskutierten darüber. Dreams war ihr Versuch, optimistischer zu sein. You Make Loving Fun bezog sich auf eine Affäre zwischen Christine McVie und dem leitenden Beleuchter der Gruppe. Gold Dust Woman war eine Anspielung auf Kokain. Don't Stop wurde von Christine McVie geschrieben, nach ihrer Scheidung von John McVie, und gewährte eine optimistische Aussicht auf ihre frisch getrennten Leben.
Oh Daddy war sehr wahrscheinlich eine Anspielung auf Mick Fleetwood, den spirituellen Vater der Gruppe, der diese größtenteils zusammenhielt, und außerdem zu diesem Zeitpunkt der einzige in der Band, der tatsächlich Vater war. Songbird wurde von Christine McVie als „eine kleine Hymne“ beschrieben, die für „uns alle“ bestimmt sei. Die Aufnahmen dauerten sehr lange, da es eine durchgehende Aufnahme sein sollte. The Chain war eine Besonderheit. Der letzte Teil, etwa die letzten eineinviertel Minuten, wurde zuerst geschrieben, ohne dass es einen Titel gab, von dem es das Ende hätte sein können. Stevie Nicks hatte diesen Teil allein geschrieben und „gab ihn den Anderen“, wie sie sagte. Daraufhin hatte Lindsey Buckingham eine Idee, wie es anfangen sollte und der erste Teil wurde erneut aufgenommen.
Und weil dieses Album so erfolgreich war, musste ich es mir als Sammler selbstverständlich zulegen. Wie es bei derartig erfolgreichen Alben üblich ist, war der Preis der CD über Jahrzehnte extrem hoch, und weil ich nun mal kein großer Fan solcher Musik war, habe ich es zu diesen Preisen auch nicht gekauft. Erst 2005 gab es die CD zu einem Angebotspreis, bei dem ich dann nicht mehr widerstehen konnte, es hat aber immerhin noch bis 15 Jahre nach der Wende gebraucht, bis ich mich breit schlagen ließ. Eigentlich wollte ich auch nur den Titel The Chain in meinen Besitz bringen, der sticht doch etwas aus dem Repertoire der Platte heraus und war der für mich beste Titel der neuen Fleetwoods.

Und dann kam der 01. Mai 2010.
3sat präsentiert die legendäre Band in einem TV Special des Senders PBS vom 23.09.2003, dem Vorabend der Say You Will-Tour in den USA, mit allen großen Hits wie The Chain, Peacekeeper, Never Going Back Again, Rihannon, Gypsy, Big Love, Landslide, Stand Back und Don’t Stop.





Die eine Stunde dauernde Kurzversion des gesamten Konzertes begann dann mit The Chain.
Schon hatte es mich erwischt. Bei Gold Dust Woman bekam ich dann auch eine leichte Gänsehaut. Die Stimme der inzwischen etwas voluminöser gewordenen Stevie Nicks geht einem durch und durch. Dann kam ein Titel, den ich gar nicht zuordnen konnte, Peacekeeper, Einen nicht minder verblüffenden Eindruck hinterlässt dabei die zeitlose, ewig traumhafte Feengestalt von Stevie Nicks. Schöner denn je in ihren weit schwingenden, schimmernd zierenden, kleidhaften Gewändern, umrahmt vom goldblonden Haarschweif und vor allem natürlich betörend im Gesang ihrer unvergleichlichen, eindringlichen, durchdringenden Stimme (Zitat: Rocktimes).





Peacekeeper sagte mir gar nichts, also auf ins www. Da hatten doch Fleetwood Mac im Jahr 2003 sich noch einmal aufgerafft, und zusammen ein neues Album eingespielt, und nur auf dieser Platte war der Titel enthalten. Und, dachte ich mir, schau doch mal gleich noch nach einer DVD mit der erfolgreichen Besetzung der Siebziger. Da habe ich Tango In The Night gefunden, dazu noch eine preiswerte Best Of. Inzwischen besitze ich das alles, und ich bin begeistert, habe ich doch einen Großteil der Geschichte der Band für mich archiviert. Aus allem eine eigene Best Of für das Auto erstellt, die dudelt jetzt seit ein paar Tagen auf der Fahrt zur und von der Arbeit, so gut gefällt mir jetzt die Musik, die ich eigentlich vor Jahren noch verächtlich abgelehnt hatte, ob das vielleicht am Alter liegt?????



DISKOGAPHIE von FLEETWOOD MAC

Peter Green's Fleetwood Mac 1968
Mr. Wonderful 1968
English Rose 1968
The Pious Bird Of Good Omen 1969
Then Play On 1969
Kiln House 1970
Future Games 1971
Bare Trees 1972
Mystery To Me 1973
Penguin 1973
Heroes Are Hard To Find 1974
Fleetwood Mac 1975
Rumours 1976
Tusk 1977
Mirage 1982
Tango In The Night 1987
Greatest Hits (Blues Besetzung) 1989
Behind The Mask 1990
Time 1995
The Dance 1997
Albatross (Blues Besetzung) 1989
Jumping At Shadows – The Blues Years 2002
Say You Will 2003
The Very Best Of Fleetwood Mac (2 CD) 2009



VON MIR EMPFOHLENE Platten oder CDs

Fleetwood Mac als Blues Band



The Pious Bird Of Good Omen
Then Play On
Greatest Hits (Blues Besetzung)
Jumping At Shadows – The Blues Years





Fleetwood Mac als Pop Band

Rumours
Say You Will
The Very Best Of Fleetwood Mac (2 CD) >>> deckt fast alles der Popband ab





Von Mir Empfohlene Titel

Fleetwood Mac als Blues Band



I Believe My Time Ain't Long
Black Magic Woman
Need Your Love So Bad
The Sun Is Shining
Coming Home
I Believe My Time Ain’t Long
Stop Messin Round
Loved Another Woman
Albatross
My Dream
I’d Rather Go Blind
Man Of The World
Oh Well
The Green Manalishi



Fleetwood Mac als Pop Band



Rhiannon
Go Your Own Way
Don’t Stop
The Chain
Gold Dust Woman
Gypsy
Little Lies
Landslide
I Wanna Be Ev’rywhere
Stand Back
Love Shines
What’s The World Coming To
Peacekeeper



Quellen

Fotos und/oder Zitate von:
cover-paradise.to
Wikipedia
stevienicks.net
rocktimes.de
cathedralstone.net
seattlemet.com
lastfm.de



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