Wir über uns

OLDIES BUT GOLDIES

Der Verein ist seit 20 Jahren Treffpunkt für alle Oldie-Musikinteressierten in Thüringen. Er führt Veranstaltungen mit Vorträgen, Diaabenden, Diskussionen, sowie Reise- und Konzertberichten durch. Ebenso werden Live-Auftritte organisiert oder mitgestaltet. Es finden gemeinsame Besuche von anderen Oldieabenden, Oldiefestivals und Treffen mit Gleichgesinnten in ganz Deutschland und darüber hinaus statt.
Die Vereinsmitglieder treffen sich jeden zweiten Freitag. Seit Dezember 2009 finden die Treffen in der Weimarer Rießnerstraße 23 in unserem eigenen Vereinsraum statt. Wir freuen uns über Gäste, die unsere Vereinsarbeit kennen lernen wollen. Eine Mitgliedschaft ist dafür nicht zwingend erforderlich. Schaut einfach mal rein. (Zur Sicherheit bitte vorab telefonisch anmelden).
Du suchst auch andere Betätigungsfelder? Vielleicht magst Du es, die Vereinszeitung "Yesterday's Paper" mitzugestalten oder unsere Internetseiten auf den aktuellsten Stand zu bringen. Oder Du kennst bestimmte Gruppen oder Stilrichtungen in allen Details. Erzähle es uns. Eventuell hast Du einfach nur Fragen, stell Sie uns. Wir freuen uns darauf.

Kennst Du unsere Ehrenmitglieder?
Da ist zunächst unser Kani, das Rock-and-Roll-Original aus Weimar. Bei uns kannst Du ihn mal außerhalb der Bühne kennenlernen und mit ihm plaudern. Er hat immer ein Späßchen drauf und kann viel von seinen weltweiten Auftritten erzählen. Im Weblog findest Du Kani zusammen mit Gus Backus auf einem Bild.
Auch Rainer Moers ist Ehrenmitglied bei uns. Rainer ist Autor mehrerer Beatlesbücher und Inhaber des bedeutendsten deutschen Beatles Museums. Seit über 10 Jahren befindet sich dieses in Halle an der Saale. Davor hatte es in Köln am Rhein sein Zuhause. Im Juni 2009 waren wir nach Halle eingeladen, um den 20. Geburtstag des Beatles Museums mitzufeiern. Im Weblog findest Du Bilder und Kommentare von diesem Besuch.
Ein weiterer Autor eines Beatlesbuches befand sich in unseren Reihen. Er war 9 Jahre Vorsitzender des Vereins und hat die Führung jetzt an andere übergeben.
Wenn Deine Lieblings-LP oder Dein Lieblings-Oldie dabei ist, dann stimme doch bitte mit ab, welches die Nummer EINS für uns Fans ist. Die Liste findest Du auf der Seite Yesterday and Today.
Wir hoffen, dass wir Dich neugierig machen konnten. Trage Dich doch in unser Gästebuch ein oder greife zum Telefon und wähle 03643-424941 oder besuche uns in der Rießnerstraße 23 (jeden 2. Freitag ab 19.00 Uhr). Dein Partner bzw. Deine Partnerin ist uns übrigens ebenso willkommen. Wir sind ein familienfreundlicher Verein.

Viel Spaß auf unseren Internet-Seiten wünschen Dir die Beat- & Rockmusikfans.



Der folgende Beitrag entstand 2004 anlässlich des 10. Jahrestages der Vereinsgründung und entspricht somit nicht mehr ganz dem derzeitigen Mitgliederstand und der Besetzung des Vorstandes.



Ich sehe den Wind, ich sehe die Träume


Manch Vertreter der uns interessierenden Musik verließ diese Welt nach viel zu kurzer Zeit - wir mussten es mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, dachten aber gelegentlich (ganz tief im Hinterkopf natürlich und heimlich): Kein Wunder, bei d e m Lebenswandel! Nun aber wurde der Mann, dem wir die hier als Überschrift benutzte Textzeile verdanken, heimtückisch ermordet. Ja, es ist leider eine unumstößliche Tatsache, dass der Tod von John Lennon den Beginn unserer Vereinsgeschichte markiert. Eigentlich können nur unser früherer und unser jetziger Vorsitzender über diese Zeit authentisch berichten. Manfred will seit einigen Jahren nichts mehr mit uns gemein haben, Jürgen hat es bereits in der Sonderausgabe unserer Zeitschrift Yesterday‘s Paper zum 10-jährigen Bestehen des Vereins getan. Jedoch bat er mich, die von ihm damals dargelegten Inhalte mit meinem gleich daran anschließenden Beitrag zu verschmelzen.

Den Schmerz über den Verlust des Idols konnte und wollte Jürgen im Dezember 1980 nicht allein verarbeiten. Nicht alle waren so berührt wie er, doch in Manfred fand er endlich einen Gleichgesinnten. Bei Musik und Gesprächen reifte die Idee, künftig den Jahrestag der Untat würdevoll zu begehen. Im Dezember 1981 verbrachten sie den Abend zu dritt, im Jahr darauf zu fünft. Hartmut Schwarz aus Erfurt visionierte zur Gründung einer eigenen Zeitung. 1983 hatten sich schon fast zehn Beatles-Enthusiasten um einen Koffer voller Schallplatten versammelt. Wo die Platten herkamen? Inzwischen gab es einen „Onkel aus dem Westen“. Der Beschluss, zukünftig auch die Geburtstage von George, Paul, Ringo und John zu begehen, machte neue Organisationsformen nötig. Die polizeilich angemeldeten Zusammenkünfte wurden als Klassentreffen oder Familienfeiern getarnt. Zu Pauls Zweiundvierzigstem bestaunten die Teilnehmer in Apolda die erste „BEATLEMANIA“. Auch nach Sömmerda, Gera, Pößneck und Waltershausen lud jeweils ein Mitstreiter die Fans ein. Die Hauptveranstaltung blieb jedoch das Gedenken an John Lennon im Dezember in Weimar. Sehr viel mehr Personen als bisher erlebten hier 1985 die erste Auktion mit raren Tonträgern.

Aber auch Rückschläge waren zu verkraften. Seien es geringere Teilnehmerzahlen, der Hinauswurf aus einer Gaststätte in Erfurt oder Unstimmigkeiten und Eifersüchteleien über die Qualität der Treffen - der unbeteiligte Beobachter fühlt sich mit wehmütigem, aber nachsichtigen Lächeln an die Auflösungserscheinungen der Beatles erinnert. Ob die erste BEATLEMANIA Garden Party am 8. August 1987 in Erfurt noch zur Vorgeschichte unseres Vereins gehört, sei somit dahingestellt. Bedeutsamkeit und Erfolg der noch heute im zweijährigen Rhythmus gefahrenen Veranstaltung sind jedoch unstrittig.

Erste Versuche zur Legalisierung der für die damalige Zeit nicht ganz unproblematischen Treffen im Kulturbund der DDR verliefen 1985 im Sande, ein zweiter Anlauf im Herbst 1989 wurde bald überflüssig. Nach einem wenig beachteten Gedenktag ergriff der in Glauchau lebende Mecklenburger Edmund Thielow die Initiative und rief in Sachsen eine IG Beatles ins Leben. Überhaupt ließ dieses Jahr 1990 bei vielen Beteiligten Hoffnungen keimen auf eine unbeschwerte Beschäftigung mit dem nun nicht mehr unter unauffälliger Beobachtung stehenden Hobby. Zum 10. Todestag von John Lennon traf sich zwar erneut nur ein kleiner Kreis, aber mit Fachsimpeleien, Zukunftsvisionen, Schweigeminute und Versteigerung konnte wieder das volle Programm geboten werden. Für das nächste mal wagten sich die Urväter der Weimarer Lennon-Ehrung in die Öffentlichkeit und suchten per Annonce nach neuen Mitstreitern.

Dadurch lernte ich einen lockeren Kreis von Fans genau jener Musik kennen, die mich seit frühester Jugend so fasziniert hatte, die es aber nun schon lange nicht mehr gab (dachte ich). Bereits um 1972 hatte ich am aktuellen Pop-Geschehen das Interesse verloren und mich weit in die Vergangenheit zurückgezogen. Bald war ich sicher, außer mir interessiert sich niemand mehr für die alten Sachen. Um so größer war die Freude, als ich 1991 von einer Veranstaltung zu Ehren von John Lennon las. Dort kam ich mir dann vor wie anno 1966. Auch wenn im viel zu großen Saal keineswegs alles perfekt ablief, beschloss ich: Dabei bleibst du! So gehörte ich zu denen, die am 12. März 1994 den „Oldie-Interessenkreis Thüringen“ e.V. aus der Taufe hoben.

Die Zeit bis dahin war geprägt von der Suche nach einem passenden Rahmen. Wir schauten auf die Gefährten aus der „Alten Garde“ in den anderen Regionen. Neben der Gründung von Fan-Clubs und Kontakten zu Beatles-Freundeskreisen im traditionellen Bundesgebiet versuchte sich gar mancher als Veranstalter. Zweifellos gelang das in Glauchau am besten, wohin bereits am 10. Oktober 1992 Tony Sheridan (nicht zum letzten mal) der Einladung Edmunds und seiner Mitstreiter gefolgt war. Unsere Session fand wieder in eher familiärer Atmosphäre statt. Die Idee, das beste Kostüm aus den Jahren 1962 bis 1970 zu prämieren, war originell, aber nur für wenige realisierbar. Ansonsten klagte gerade in jenem Jahr Hartmut in seiner BEATLEMANIA über die immer offensichtlicher auseinander fallende Szene des schon lange nicht mehr existierenden Ländchens. Gewichtige Gründe für die traurige Entwicklung nannte er beim Namen: Kein Geld, hohe Bahnfahrtkosten, die Sorge um einen Job und die Zukunft, die Notwendigkeit der Veranstalter, sich an der Wirtschaft zu orientieren. Seiner düsteren Prophezeiung „Vieles von der altvertrauten Gemütlichkeit, dem Gefühl des Zusammengehörens wird dabei über Bord gehen.“ setzt er zwar neue Hoffnungen entgegen, doch richtig überzeugt klang er dabei nicht. Dessen ungeachtet waren im Dezember 1993 weit über 100 Interessierte unserer Einladung nach Holzdorf bei Weimar gefolgt. Auf dem Programm standen eine Ausstellung, Material-Börse, Auktion und vor allem die „Berliner Beatlesband“. In einer Talkrunde erörterten sämtliche auffindbaren Gurus die wichtige Frage „John Lennon, mein Bruder oder eher ein anstrengender Typ?“. Im kleinen Kreis war vor allem die bereits terminierte Vereinsgründung ein wichtiges Thema. Euphorie pur eben.

Da saßen wir nun also im folgenden März in Kromsdorf und schritten mutig los. Wir wollten von Anfang an kein Fan-Club sein; der Zusatz „Gemeinnütziger Musikverein“ war damals genauso ernst gemeint wie heute. Voller Eifer und Jugenderinnerungen waren wir sicher, dass ganz Thüringen nur auf uns gewartet hat und die Leute zuhauf in die von uns organisierten Veranstaltungen strömen würden. Eine Möglichkeit der beruflichen Neuorientierung vor dem Hintergrund des Vereins sahen manche vor ihrem geistigen Auge aufblühen („blühen“ - da war doch noch was?) Wenn wir erst als Veranstalter von Musik des Rock‘n‘Roll bis beinahe zur Neuzeit etabliert sind, wird wohl kaum einer von uns noch Zeit für einen bürgerlichen Beruf haben. Zwar liefen uns die Sponsoren nicht gerade die Bude ein, aber dank der Cleverness, der Erfahrungen und der Verbindungen des damaligen Vorsitzenden Manfred ließen sich für öffentliche Veranstaltungen noch einige Fördergelder organisieren. So kamen wir unserem (selbst gewählten) Auftrag mit ersten Veranstaltungen am Vereinssitz Kromsdorf nach. Als die „Goldgräberjahre“ (für wen auch immer sie solche gewesen sind) dann endgültig vorüber waren, kam die Ernüchterung. Selbst langjährige Begleiter hatten nur noch geringes Interesse, die „Laufkundschaft“ blieb sowieso weg. Einige Vereinsmitglieder hatten von Anfang an deutlich gesagt, dass sie als reine Konsumenten auftreten wollten. Vor dem Hintergrund pünktlicher Beitragszahlung wurde das akzeptiert. Von einem Fan-Club waren wir nun nicht mehr weit entfernt. Richtig unglücklich darob waren nicht viele, konnte man doch im kleinen Kreis seinem Hobby frönen und sich (wie früher) einen Dreck um den Zustand der Welt scheren.

Aber das Sendungsbewusstsein! Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Beat-Ära war stets eine wichtige Komponente des Zusammenseins. Genau deshalb gab es von Anfang an thematische Vereinsabende. Es war auch stets üblich, mal diesen oder jenen „Neuen“ mitzubringen, und manch einer wurde so zum Mitglied. Aber erst nachdem Jürgen den Vorsitz übernahm, wagten sich weitere Mitglieder an die Gestaltung eines eigenen Programms. Wenn nunmehr unsere Themenabende in regionalen Veranstaltungsanzeigern zu finden sind, gelegentlich sogar schon völlig Fremde angelockt haben, so ist damit die Öffentlichkeitsarbeit nicht ganz ad acta gelegt. Ich behaupte sogar, dass auf jener Strecke ein gut Teil der zukünftigen Arbeit unseres Vereins liegen wird. Das geballte Wissen der Mitglieder um diesen Teil abendländischer Kulturgeschichte soll weit über die Lebenszeit der Janis Joplin, Cassandra Elliott, James Morrison oder Jimi Hendrix zum Tragen kommen! Natürlich sind wir meistens nur die „dritte Hand“ - aber wer kennt schon jemanden, der damals „dabei“ war?!?

Die Anzahl der Aktivitäten im Namen des „Oldie-Interessenkreises“ hat die Zahl 100 längst überschritten. Bei einer sachlichen Analyse der Veranstaltungen fällt folgendes auf:



Wir haben nur in den ersten beiden Jahren Börsen organisiert und waren uns dann einig: Nie wieder! Die mäßige Resonanz ließ das finanzielle Risiko unkalkulierbar werden.
Die Palette der „großen“ öffentlichen Veranstaltungen reduzierte sich ebenso schnell (und aus den gleichen Gründen) auf die jährliche Memory-Session. Auch über deren Zukunft wird nun intensiv diskutiert.
Die Besuchsmöglichkeiten für Konzerte unserer Idole haben sich etwas erweitert. (Wie sie genutzt werden, steht auf einem anderen Blatt.)
Der Kontakt mit weiteren Freunden dieser Musik ist beinahe eingeschlafen, was nicht nur an uns liegen kann.
Unser Gedanke der Förderung junger Bands durch die Vermittlung von Spielmöglichkeiten ist nur sporadisch und zufällig durchführbar.
Vereinsinterne Veranstaltungen im engeren Sinne gab es noch nie. Die Themenabende haben in Vielfalt und Qualität einen deutlichen Schritt nach vorn getan.
Zusammenkünfte zur Geselligkeit erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Tiefschürfende Gespräche sind auch dabei nicht verboten.


Bedeutender ist aber wohl die emotionale Seite des Vereinslebens. Ganz willkürlich picke ich einige schöne Erinnerungen heraus. Hierbei hat es überhaupt keinen Sinn, dieses und jenes Erlebnis gegeneinander zu wichten. Auf Raum und Zeit werde ich bei den folgenden Betrachtungen ebenfalls keinerlei Rücksicht nehmen. Sehr wahrscheinlich hat auch jeder Teilnehmer etwas anderes erlebt.

Als ich erstmalig die Häuser und Plätze sah, die das Umfeld der Kinder- und Jugendzeit von John, Paul, George und Ringo bildeten, regte sich ein Gedanke der Ehrfurcht. Nun sind die Gebäude weder schön noch architektonisch wertvoll; der Roundabout am Ende der Penny Lane ist nüchtern betrachtet keine Erwähnung wert. Es ist der Geist des Ortes; wer nicht davor steht, wird ihn wohl nicht spüren; es ist meine persönliche „Magical Mistery Tour“. Genau aus diesem Grunde möchte ich in regelmäßigen Abständen (möglichst nicht allein) die Originalschauplätze aufsuchen.

Natürlich müssen wir alle ein wenig verrückt sein, um bei solch alten Geschichten höchste Wonnen zu empfinden. Noch etwas extremer lag der Fall bei unserem alten Freund Lothar G. aus Suhl (Wo mag er heute sein?) Er hatte es fertig gebracht, einige Mitglieder der legendären DDR-Band Renft nach Weimar zu holen und sie zum Musizieren zu bewegen. Wir waren nicht so viele, die vor Freude toben konnten, aber wir hatten wenigstens Platz dafür. Ob das Flötenspiel von Pjotr oder der Gesang von Monster, man hatte stets den Eindruck, sie sind nur für uns da. Es ist unwahrscheinlich, dass es diese Band auf sehr viel mehr als die beiden von Lothar organisierten Konzerte gebracht hat. Rechtliche Probleme, sicher auch menschliche Schwächen, haben ja schon manche gute Musik versickern lassen.

Nicht nur lustige Stunden bescherte uns das Vereinsleben. Gerald Merkel war derjenige, der mich bei meinem ersten Zusammentreffen mit den „Alten“ gleich heimisch werden ließ. Er erzählte vom schweren Anfang, stellte mir diesen und jenen vor und ließ bei mir gar nicht erst den Gedanken aufkommen, ich sei neu hier. Kein Wunder, dass diese allseitig beliebte Integrationsfigur zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Voller Enthusiasmus ging er auch an den Aufbau seines Handels mit Tonträgern heran, da schlug das Schicksal zu. Eine heimtückische Krankheit riss ihn im Sommer 1995 aus unserer Mitte. Es waren vor allem seine alten Freunde, die ihn in der kurzen Krankheit und dann auf seinem letzten Weg begleiteten.

Eine bedeutende Krise war auch zu überstehen, als unser Gründungsvorsitzender Manfred eigentlich nur mal eine zweijährige Pause in der Vorstandstätigkeit einlegen wollte. Der von ihm selbst vorgeschlagene Nachfolger wollte aber weder Strohmann noch Marionette sein und entwickelte eigene Vorstellungen. Wir alle mussten wie gelähmt dem Zerbrechen einer langjährigen Freundschaft zusehen. Das gipfelte auf einer Versammlung in Manfreds Aussage, er könne sich mit den Zielen des Vereins nicht mehr identifizieren und dem von ihm (satzungswidrig) sofort praktizierten Austritt. Nach einem halben Jahr unfruchtbaren Gedankenaustauschs entschlossen wir uns blutenden Herzens, einen (satzungskonformen) Ausschluss auszusprechen. Auswärtige Freunde, die wenig oder nichts von den aufgelaufenen Problemen wussten, meinten, sich entscheiden zu müssen, wollten genau das aber nicht und blieben ganz weg. Im engen Kreis wurde damals laut nachgedacht, ob wir noch wollen.

Die Memory-Session war stets als Höhepunkt des Jahres gedacht. Musik aus der Konserve war nur in Ausnahmefällen angesagt. Das Publikum dankte uns selten mit reichhaltigem Besuch. In unseren Erinnerungen reden wir meist begeistert von den Ehrungen mit einem gesunden Besucher-Raumgröße-Verhältnis. Mich hat aber auch die Party mit leider sehr geringem Besuch (und sehr großem Raum) stark berührt, als Rosi Raths mit ihrer damals neuen Band uns sehr rockig einheizte. Schon vor Ort waren wir einhellig der Meinung, wer nicht anwesend war, hat selber Schuld.

Ein Fan und Experte aus dem Rheinischen verwirklichte 1989 eine arg skurrile Idee, indem er ein Beatles-Museum gründete. Der fünfte Geburtstag des damaligen Keller-Etablissements konnte wenige Wochen nach der Gründung unseres Vereins begangen werden. Es waren nur zwei, die in offizieller Mission brüderliche Grüße überbringen wollten. Um so intensiver konnten wir die Atmosphäre des unorganisierten Jubiläums aufnehmen. Ich war schon vorher in Köln, ich war danach erneut dort, niemals aber habe ich die Räume so lebendig erlebt. Unvergesslich wird mir bleiben, dass Rainer Moers unsere nebenan im Tante-Emma-Laden erstandene Beatles-Postkarte noch nicht kannte. Der Museumssitz ist nun Halle/Saale. Im deutlich angenehmeren Ambiente wirken die Schätze noch reizvoller.

Apropos King! Natürlich können wir mit einem eigenen solchen aufwarten. Genau, ich meine jenen älteren Herrn, der sich mit dem gleichen Zarathustra wie Elvis ankündigen lässt. Als Kani Ehrenbürger der Oldie-Gemeinde wurde und mitten unter uns sang, war wohl nicht nur ich restlos begeistert. Aus diesem Stoff sind unsere Erinnerungen, aber auch unsere Träume. Und aus diesem Stoff habe ich mir im März 1994 einen Anzug schneidern lassen. Ich hoffe, er passt mir noch lange...

Nun zu dir, lieber Surfer. Solltest du zu den sechs oder sieben Milliarden Menschen gehören, die uns noch nicht kennen, besorge dir schleunigst eine Eintrittskarte. Denn wenn du uns nicht erleben möchtest, bleiben dir höchstens noch die anonymen Alkoholiker oder die Politik.


Willst du das etwa?



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