Nipper

Nipper (Strolch) vor dem Grammophone Trichter ... und er hört "His Master's Voice"



Ein Hund und "Die Stimme seines Herrn" auf dem Siegeszug um die Welt

In bescheidenen Verhältnissen lebte in London der pensionierte Bühnenbildner Marc Barraud mit seinem Foxterrier, der auf den Namen "Nipper" (Strolch) hörte. Oft lauschte Barraud dem Phonographen, und auch der Hund hörte zu. Marc Barraud starb; die geringe Hinterlassenschaft übernahm sein Bruder - ein Maler. Auch den Hund, der seinen alten Herrn nicht vergessen konnte, hatte Francis Barraud zu sich genommen. Da machte er eine merkwürdige Entdeckung: Als er zu seiner Zerstreuung den Phonographen spielen ließ, kam der Hund aus seiner Ecke, setzte sich vor den Trichter und lauschte geneigten Kopfes den Klängen! Ob sich dem Hund eine Erinnerung einstellte und er die Töne aus dem Trichter mit seinem ersten Herrn in Zusammenhang brachte? Es war jedenfalls ein rührendes Bild, das sich Francis Barraud bot und sich jedesmal wiederholdte sobald er den Phonographen zum Klingen brachte.
Da kam dem Maler der Gedanke, das Geschehen im Bild festzuhalten. Und er malte Nipper vor dem Phonographen. Freunde und Kollegen, denen er das fertige Bild zeigte, waren der Meinung, dass er wohl kaum einen Käufer dafür finden würde. Auch die Herren der "Edison und Bell Phonographen Company", denen Barraud das Bild zum Kauf anbot, lehnten ab! Barraud bat, man solle es sich doch noch einmal überlegen und ließ das Ölgemölde da. Einer der ihm befreundeten Malerkollegen riet, er solle doch anstelle des schwarzen Phonographentrichters, der das Bild so düster stimme, einen der glänzenden Messingtrichter vom Grammophon darübermalen. So ging Barraud zum Sitz der "Grammophone" in der Maiden Lane Nr. 31, um sich einen solchen Messingtrichter auszuleihen. Dem anwesenden Direktor Owen trug er sein Anliegen vor, und dieser äußerte des Wunsch, das Bild erst einmal zu sehen. So ging der Maler wieder zu den Phonographen-Leuten und holte sien Bild ab. Owen betrachtete nun eingehend das Gemälde und meinte zu Barraud in belehrendem Ton, dass ein moderner Mensch anstelle des Walzenphonographen lieber ein Grammophon mit Schallplatten verwende. Wenn er den Hund vor einem Grammophon seiner Firma malen würde, so wolle er ihm das Bild bestimmt abkaufen. Mit dem "Improving-Grammophone" unter dem Arm zog Francis Barraud los und malte, wie man ihm aufgetragen. Im September 1899 war das Bild fertig und wurde Mister Owen vorgestellt. Dieser war begeistert und kaufte das Ölgemälde sowie den Titel "His Master's Voice" (Die Stimme seines Herrn) zu einem guten Preis von Barraud ab. Außerdem bestellte er noch 12 Kopien von dem Bild.
Mit sicherem Instinkt hatte Owen die Wirksamkeit des Bildes als eine ausgezeichnete Reklame erkannt. Und die Zukunft gab ihm recht. Das Gemälde wurde in vielen Exemplaren verbreitet, es zierte fortan die Erzeugnisse der Grammophone-Gesellschaft; Geräte ebenso wie auch ab 1909 die Etiketten der Schallplatten. Als Sinnbild für Wiedergabetreue (mit diesem Begriff operierten die Grammophon-Leute damals schon!) sollte es verstanden werden - so wurde es auch in aller Welt aufgenommen! Der Hund "Nipper" vor dem Trichtergrammophon wurde die beste und wirksamste Reklame, ohne die bald kein Händler mehr auszukommen glaubte. Wer das Bild im Schaufenster sah, wusste: Hier gibt es Schallplatten und Grammophone zu kaufen.
Der Hund Nipper starb einige Jahre später, nachdem er auf diese Weise "verewigt" worden war; der Maler Francis Barraud starb am 29. August 1924 in London. Bis zu diesem Jahr hatte die "Grammophone" zur Popularisierung des Bildes nicht weniger als 10 Millionen Pfund ausgegeben. Diese berühmte Schutzmarke gibt es heute noch- wirksam wie eh und je - allen modernen Reklamekünsten standhaltend. Allabendlich strahlt das Bild als riesige Leuchtreklame vom Haus in der Oxford Street, wo sich der große Laden der "His Master's Voice" befindet, in den Londoner Himmel. Das Original des Gemäldes befindet sich im Hauptgeschäftsitz der heutigen "Electric & Music Industries Ltd." in Hayes/Middleesex in England.






 

Der Maler Francis Barraud vor seinem Gemälde




 

Diesem Buch: Von der Edisonwalze zur Stereoplatte haben wir diesen sehr schönen Beitrag entnommen. VEB Lied der Zeit/Musikverlag 1. Auflage Berlin 1981, Preis 11,- M

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